Fragen & Antworten
Antworten auf häufige Fragen.
Kuratiert aus unseren Beiträgen zu Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Rechtsberatung — alphabetisch, nach Zielgruppe oder Thema gefiltert.
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2304 Fragen · Seite 10 / 47
Können jüngere Arbeitnehmer die Anwendung der längsten Kündigungsfrist von sieben Monaten verlangen?
Nein. Eine Angleichung aller Arbeitnehmer an die längste Kündigungsfrist von sieben Monaten unabhängig von der Betriebszugehörigkeit ist nicht geboten. Das BAG hat klargestellt, dass die gesetzliche Staffelung mit dem Diskriminierungsverbot vereinbar ist.
Stand: Dezember 2014
Können neue Eigentümer bei Vorbehaltsnießbrauch vorab Werbungskosten abziehen?
Nein, der Bundesfinanzhof versagt den Abzug vorweggenommener Werbungskosten beim neuen Eigentümer, wenn die Immobilie unter Vorbehalt des Nießbrauchs übertragen wurde. Es fehlt der erforderliche zeitliche Zusammenhang mit künftigen Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, da das Ende der Nießbrauchsnutzung nicht absehbar ist.
Stand: Oktober 2023
Können sich Sportvereine auf Art. 132 Abs. 1 Buchst. m MwStSystRL berufen?
Nein, eine direkte Berufung auf die Steuerbefreiung nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. m Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie ist nach dem EuGH-Urteil vom 10.12.2020 (C-488/18) und der nachfolgenden BFH-Entscheidung nicht mehr möglich. Dies gilt insbesondere, wenn die Gemeinnützigkeit des Vereins zweifelhaft ist oder keine Vermögenszweckbindung besteht.
Stand: Mai 2022
Können sich Steuerpflichtige auf das Urteil des FG Berlin-Brandenburg berufen?
Ja, da das Finanzamt keine Revision eingelegt hat, kann davon ausgegangen werden, dass die Finanzverwaltung die Entscheidung mitträgt. Steuerpflichtige in vergleichbaren Fällen können sich daher auf das Urteil stützen. Ein identischer positiver Ausgang ist jedoch nicht garantiert, da jeder Einzelfall individuell zu beurteilen ist.
Stand: Januar 2023
Können zwei häusliche Arbeitszimmer steuerlich geltend gemacht werden?
Nein, nach dem Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 25.02.2015 (Az. 2 K 1595/13) kann ein Steuerpflichtiger auch bei zwei Wohnsitzen aus beruflichen Gründen nicht zwei Arbeitszimmer absetzen. Der Höchstbetrag von 1.250 Euro ist personen- und objektbezogen und wird nur einmal jährlich gewährt. Eine zeitgleiche Nutzung zweier Arbeitszimmer ist faktisch ausgeschlossen.
Stand: April 2015
Können Überbrückungshilfen III Plus und Neustarthilfen Plus gleichzeitig beantragt werden?
Nein, eine parallele Beantragung ist nicht möglich. Soloselbständige und andere Berechtigte müssen sich zwischen den Überbrückungshilfen III Plus und den Neustarthilfen Plus entscheiden.
Stand: November 2021
Liegt Fahrlässigkeit vor, wenn man scheinbar harmlose Blindgänger einsammelt?
Ja, das Aufsammeln und Mitführen vermeintlich nicht gezündeter Böller gilt als fahrlässig. Da bekannt ist, dass solche Sprengkörper nachzünden können, muss mit einer Explosion gerechnet werden. Dieses Verhalten begründet eine eigene Haftung für entstandene Schäden.
Stand: Dezember 2013
Liegt bei Anwendung des § 10 Abs. 4b EStG auf Altjahre ein Verstoß gegen das Rückwirkungsverbot vor?
Nein. Die seit 2012 geltenden Regelungen sind auf alle nach dem 31.12.2011 zugeflossenen Erstattungen anzuwenden, auch wenn die zugrundeliegenden Beiträge in früheren Veranlagungszeiträumen gezahlt wurden. Der BFH sieht hierin keinen Verstoß gegen das verfassungsrechtliche Rückwirkungsverbot.
Stand: August 2023
Liegt bei einer Zwangsversteigerung ein privates Veräußerungsgeschäft vor?
Ja, eine Zwangsversteigerung gilt als privates Veräußerungsgeschäft im Sinne des § 23 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Begründet wird dies damit, dass der Eigentümer die Versteigerung durch Begleichung seiner offenen Verbindlichkeiten abwenden kann. Aus dieser Möglichkeit wird eine willentliche Betätigung des Steuerpflichtigen abgeleitet.
Stand: Mai 2022
Liegt beim symbolischen Ankauf eines Handys ein Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO vor?
Nein, der BFH verneint einen Gestaltungsmissbrauch. Der Ankauf privater Mobiltelefone stellt eine einfache Möglichkeit dar, betriebliche Geräte zu beschaffen, zumal die Arbeitnehmer die Geräte bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückgeben müssen. Die Höhe der Anschaffungskosten ist für die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 45 EStG unerheblich.
Stand: Februar 2023
Lohnt sich das Aufschieben des Rentenbeginns steuerlich?
Steuerlich wirkt sich ein Aufschub regelmäßig nachteilig aus, weil der Besteuerungsanteil mit jedem späteren Beginnjahr steigt und der steuerfreie Anteil dauerhaft sinkt. Dem stehen jedoch die höheren Rentenzahlungen durch die Aufwertung der Anwartschaften gegenüber. Eine individuelle Vergleichsrechnung ist daher vor der Entscheidung empfehlenswert.
Stand: April 2023
Lohnt sich der Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung beim Kauf einer PV-Anlage künftig noch?
Voraussichtlich nicht mehr. Da Lieferung und Installation von PV-Anlagen und zugehörigen Komponenten künftig dem Nullsteuersatz unterliegen, fällt beim Erwerb keine Umsatzsteuer mehr an. Damit entfällt der bisherige Hauptgrund, zur Erstattung der Vorsteuer auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten.
Stand: Oktober 2022
Lohnt sich ein Einspruch nur bei hohen Zinsbeträgen?
Ein Einspruch ist insbesondere bei nicht unerheblichen Zinsforderungen sinnvoll, da hier eine spürbare Entlastung möglich wäre. Bei kleineren Beträgen kann der Aufwand den möglichen Erstattungsbetrag übersteigen, eine Einzelfallprüfung ist daher ratsam.
Stand: Februar 2014
Lässt sich das Urteil zu eBay-Verkäufen auf andere Verkaufsplattformen übertragen?
Ja, der vom FG Baden-Württemberg aufgestellte Grundsatz ist nicht auf eBay beschränkt. Die gelegentliche Veräußerung von Privatvermögen in mehreren gleichartigen Handlungen begründet generell keine umsatzsteuerpflichtige unternehmerische Tätigkeit, unabhängig vom genutzten Vertriebskanal.
Stand: September 2012
Mindert die Gewerbesteuer den handelsrechtlichen Gewinn einer GmbH?
Ja, handelsrechtlich stellt die Gewerbesteuer eine den Gewinn mindernde Betriebsausgabe dar. Steuerrechtlich ist der Abzug bei Kapitalgesellschaften jedoch ausgeschlossen, sodass sich Handels- und Steuerbilanz an dieser Stelle unterscheiden.
Stand: Mai 2014
Mindert ein Ausfall der Kaufpreisforderung wegen Käufer-Insolvenz die Grunderwerbsteuer?
Nein. Der BFH hat mit Urteil vom 12.05.2016 entschieden, dass der Ausfall der Kaufpreisforderung aufgrund Insolvenz des Käufers nicht zu einer Änderung der Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer führt. Die Steuer bleibt auf Basis des ursprünglich vereinbarten Kaufpreises bestehen.
Stand: Oktober 2016
Mit welchen Werten sind Vermögensgegenstände bei der Inventur anzusetzen?
Vermögensgegenstände sind grundsätzlich einzeln mit ihren (fortgeführten) Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu bewerten. Dabei sind auch Nebenkosten wie Transport, Inbetriebnahmekosten oder Finanzierungskosten zu berücksichtigen. Für Vorräte sind Vereinfachungsverfahren wie Lifo, Fifo oder das Durchschnittswertverfahren nach § 240 Abs. 3 und 4 HGB handelsrechtlich zulässig.
Stand: November 2023
Muessen bei einer Selbstanzeige auch Steuern fuer verjaehrte Jahre nachgezahlt werden?
Nach geltender Rechtslage muessen bei einer Selbstanzeige fuer steuerlich bereits verjaehrte Jahre keine Steuern mehr nachgezahlt werden. Diese Regelung wird politisch kritisiert und es gibt Forderungen, sie zu verschaerfen, damit auch fuer verjaehrte Zeitraeume Nachzahlungen faellig werden.
Stand: Februar 2014
Muss Kindergeld künftig elektronisch beantragt werden?
Die elektronische Antragstellung wird gemäß der Neufassung des § 67 Satz 1 EStG zum Regelfall. Sie muss nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz über die amtlich vorgeschriebene Schnittstelle erfolgen; eine einfache E-Mail genügt nicht mehr. Ein Antrag in Papierform bleibt aber weiterhin zulässig.
Stand: Dezember 2024
Muss das Dienstfahrrad tatsächlich beruflich genutzt werden?
Nein, für die steuerliche Privilegierung ist es unerheblich, ob das Fahrrad tatsächlich für berufliche Fahrten (z. B. Kundenbesuche) genutzt wird. Entscheidend ist allein, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Rad überlässt und auch eine private Nutzung gestattet ist.
Stand: November 2012
Muss dem Steuerpflichtigen eine tatsächliche Manipulation nachgewiesen werden?
Nein. Nach der BFH-Rechtsprechung genügt für die Verwerfung der Kassenführung, dass das System überhaupt Manipulationsmöglichkeiten eröffnet. Ein konkreter Nachweis tatsächlicher Manipulationen durch den Steuerpflichtigen ist nicht erforderlich. Damit reicht bereits die abstrakte technische Anfälligkeit des Kassensystems aus, um eine Schätzungsbefugnis des Finanzamts zu begründen.
Stand: April 2017
Muss der Arbeitgeber dem Elternzeitverlangen zustimmen?
Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist grundsätzlich nicht mehr erforderlich. Eine Ausnahme gilt für den dritten Block Elternzeit zwischen dem vollendeten 3. und 8. Lebensjahr des Kindes – hier kann der Arbeitgeber aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen. Die schriftliche Anzeigefrist beträgt sieben Wochen bis zum 3. Geburtstag und 13 Wochen ab dem 3. Geburtstag.
Stand: Januar 2015
Muss der Kaufvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einem Fremdvergleich standhalten?
Nach Auffassung des BFH ist in dieser Konstellation kein Fremdvergleich erforderlich. Zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht eine natürliche Interessengemeinschaft, in der beide Seiten ihre wirtschaftlichen Interessen wahren. Eine private Nähebeziehung, die einen symbolischen Kaufpreis verdächtig machen würde, liegt regelmäßig nicht vor.
Stand: Februar 2023
Muss der Kinderbonus 2021 gesondert beantragt werden?
Nein, der Kinderbonus 2021 muss nicht separat beantragt werden. Er wird automatisch von der zuständigen Familienkasse an Kindergeldberechtigte ausgezahlt. Für im Jahr 2021 neugeborene Kinder genügt der reguläre Antrag auf Kindergeld.
Stand: März 2021
Muss der Sachbezugswert für Frühstück angesetzt werden, wenn der Arbeitgeber nur Brötchen und Kaffee bereitstellt?
Nein, ein Ansatz des amtlichen Sachbezugswerts für ein Frühstück ist nicht vorzunehmen. Da es sich nach BFH-Rechtsprechung nicht um eine Mahlzeit handelt, entsteht kein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil. Die Bereitstellung gilt als Aufmerksamkeit zur Ausgestaltung des Arbeitsplatzes.
Stand: Oktober 2019
Muss die Entscheidung zur Pauschalversteuerung einheitlich für alle Streuwerbeartikel erfolgen?
Nein. Der Arbeitgeber kann jeden geringwertigen Sachbezug bis 10,- EUR gesondert beurteilen und individuell entscheiden, ob er ihn pauschal versteuert. Eine einheitliche Behandlung aller Streuwerbeartikel ist nicht erforderlich.
Stand: August 2016
Muss die Gesundheitsförderung zusätzlich zum Arbeitslohn gewährt werden?
Ja. Die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 34 EStG setzt voraus, dass die Leistungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden. Eine Umwandlung von bestehendem Bruttolohn in steuerfreie Präventionsleistungen ist daher nicht begünstigt.
Stand: August 2016
Muss die Inflationsausgleichsprämie in der Steuererklärung oder Lohnsteuerbescheinigung angegeben werden?
Nein, die steuerfreie IAP ist weder in der Lohnsteuerbescheinigung noch in der Einkommensteuererklärung anzugeben. Sie unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt, sodass keine nachträgliche Erhöhung der Einkommensteuerbelastung droht.
Stand: Januar 2023
Muss die Mahlzeit im eigenen Appartement serviert werden, um steuerlich begünstigt zu sein?
Nein. Nach Auffassung des FG Baden-Württemberg ist die Begünstigung auch dann möglich, wenn das Essen in einem gemeinschaftlichen Speisesaal ausgegeben wird. Entscheidend ist, dass die Leistung im räumlichen Bereich des Haushalts des Steuerpflichtigen erbracht wird – dazu zählen auch Gemeinschaftseinrichtungen des Wohnstifts.
Stand: September 2012
Muss die Neustarthilfe zurückgezahlt werden?
Die Auszahlung erfolgt zunächst als Vorschuss. Nach Ende des Förderzeitraums (30.06.2021) müssen die tatsächlich erzielten Umsätze gemeldet werden. Liegt der Umsatz im Förderzeitraum bei höchstens 40 % des Referenzumsatzes, darf der Vorschuss vollständig behalten werden. Liegen die Umsätze darüber, ist anteilig zurückzuzahlen.
Stand: März 2021
Muss die Pacht bei mitverpachteten Betriebsvorrichtungen weiterhin aufgeteilt werden?
Nein. Nach dem EuGH-Urteil (EU:C:2023:372) und der Folgeentscheidung des BFH entfällt das Aufteilungsgebot, wenn die Vermietung der Betriebsvorrichtungen eine Nebenleistung zur Hauptleistung (Vermietung von Grundstück/Gebäude) zwischen denselben Vertragspartnern darstellt. Es liegt dann eine einheitliche wirtschaftliche Leistung vor, die insgesamt umsatzsteuerfrei sein kann.
Stand: September 2023
Muss die Privatnutzung eines Dienstwagens versteuert werden, wenn der Arbeitgeber sie untersagt hat?
Nein. Der BFH hat mit Urteil VI R 71/12 bestätigt, dass kein geldwerter Vorteil für eine Privatnutzung anzusetzen ist, wenn der Arbeitgeber die private Nutzung des Dienstwagens ausdrücklich verboten hat. In diesen Fällen darf das Finanzamt keine Privatnutzung pauschal unterstellen und besteuern.
Stand: März 2014
Muss die Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung (1/11) weiterhin gezahlt werden?
Nein, die Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung in Höhe von 1/11 für die Dauerfristverlängerung muss derzeit nicht gezahlt werden. Die Fristverlängerung um einen Monat wird trotzdem gewährt. Bereits gezahlte Beträge können auf formlosen Antrag beim Finanzamt erstattet werden.
Stand: März 2020
Muss die Versicherung bei Brandschäden durch einen unbeaufsichtigten Adventskranz zahlen?
Nein, bei grober Fahrlässigkeit kann der Versicherer die Leistung verweigern oder erheblich kürzen. Im vom OLG Düsseldorf entschiedenen Fall wurde eine Einstandspflicht des Versicherers vollständig verneint, weil der Versicherungsnehmer die Kerzen während des Abendessens in der Küche unbeaufsichtigt brennen ließ.
Stand: November 2012
Muss die betreuende Person die erhaltene Fahrtkostenerstattung versteuern?
Nein, die Fahrtkostenerstattung gilt als reine Aufwandsentschädigung und nicht als Einnahme. Sie ist daher bei der betreuenden Person nicht steuerpflichtig. Beim Steuerpflichtigen sind die Fahrtkosten dennoch zu zwei Dritteln als Sonderausgaben abziehbar, sofern eine ordnungsgemäße Aufstellung mit Datum und Strecke vorliegt.
Stand: Mai 2022
Muss ein Fahrtenbuch für das gesamte Kalenderjahr geführt werden?
Ja. Nach dem BFH-Urteil vom 20.03.2014 (Az. VI R 35/12) ist ein Fahrtenbuch steuerlich nur dann anzuerkennen, wenn es für den gesamten Veranlagungszeitraum lückenlos geführt wird. Ein erst unterjährig begonnenes Fahrtenbuch reicht nicht aus, um die Fahrtenbuchmethode anstelle der 1%-Regelung anzuwenden.
Stand: Juli 2014
Muss ein Geschäftsführer Mittel zur Begleichung künftiger Steuerschulden zurücklegen?
Ja, nach ständiger BFH-Rechtsprechung trifft den Geschäftsführer die Pflicht, bis zu seiner Abberufung ausreichende Mittel für die Begleichung bereits entstandener oder absehbarer Steuerschulden bereitzuhalten. Verstößt er gegen diese Mittelvorsorgepflicht, kann darin eine schuldhafte Pflichtverletzung liegen, die zur Haftung nach §§ 34, 69 AO führt.
Stand: November 2014
Muss ein Radfahrer ohne Helm bei Unfall ein Mitverschulden hinnehmen?
Nach einem Urteil des OLG Schleswig-Holstein vom 05.06.2013 ist einem Radfahrer, der im öffentlichen Straßenverkehr mit einem verkehrswidrig handelnden Dritten kollidiert und Kopfverletzungen erleidet, grundsätzlich ein Mitverschulden anzurechnen, wenn er keinen Fahrradhelm getragen hat. Das Gericht begründet dies damit, dass der Verletzte Schutzmaßnahmen zur eigenen Sicherheit unterlassen habe.
Stand: September 2013
Muss ein Sachverständigengutachten zur Quantifizierung behinderungsbedingter Umbaukosten eingeholt werden?
Nein, ein Sachverständigengutachten zur Aufteilung der Kosten in behinderungsbedingte und sonstige Anteile ist nach Auffassung des FG Baden-Württemberg nicht erforderlich. Die Aufspaltung einer einheitlichen Baumaßnahme in einzelne Aufwandsposten wurde als nicht praktikabel angesehen.
Stand: Mai 2015
Muss ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Habilitation und Dienstverhältnis bestehen?
Ein enger zeitlicher Zusammenhang zwischen Abschluss der Habilitation und Beginn eines Dienstverhältnisses ist nicht erforderlich. Es genügt, wenn die Habilitation für die spätere berufliche Berufung oder Tätigkeit förderlich ist. Damit ist der notwendige Veranlassungszusammenhang zum Arbeitslohn bereits gegeben.
Stand: August 2022
Muss eine Gutschrift seit 01.01.2013 ausdrücklich als 'Gutschrift' bezeichnet werden?
Ja, seit dem 01.01.2013 ist die ausdrückliche Bezeichnung als 'Gutschrift' ein umsatzsteuerlicher Pflichtbestandteil. Die frühere Praxis, eine Gutschrift mit 'Rechnung' zu überschreiben, ist nicht mehr ausreichend. Fehlt diese Bezeichnung, liegt ein formeller Mangel vor.
Stand: Dezember 2012
Muss eine Kapitalgesellschaft ohne geplante Gewinnausschüttung die KiStAM-Abfrage durchführen?
Nein, Kapitalgesellschaften, die keine Gewinnausschüttungen vornehmen wollen, können sich das KiStAM-Abrufverfahren sparen. Da kein Kapitalertrag ausgezahlt wird, fällt auch keine Kapitalertragsteuer und somit keine darauf entfallende Kirchensteuer an.
Stand: September 2016
Muss für einen reinen Werkstattwagen ein Fahrtenbuch geführt werden?
Nein. Nach Auffassung des BFH ist bei Fahrzeugen, die typischerweise so gut wie ausschließlich der Güterbeförderung dienen, kein Fahrtenbuch erforderlich. Der BFH unterstellt, dass solche Fahrzeuge grundsätzlich nicht privat genutzt werden.
Stand: September 2016
Muss für jeden Firmenwagen im Betriebsvermögen die 1%-Regelung angesetzt werden?
Grundsätzlich ja: Befinden sich mehrere PKW im Betriebsvermögen, ist nach Auffassung der Finanzverwaltung für jedes Fahrzeug die 1%-Regelung anzuwenden. Der Steuerpflichtige muss im Zweifel selbst glaubhaft machen, dass eine private Nutzung nahezu ausgeschlossen ist. Nur in diesem Fall kann der Ansatz einer Privatnutzung entfallen.
Stand: November 2012
Mussten Arbeitnehmer früher einen konkreten Schaden bei Lohnverzug nachweisen?
Vor Einführung der Verzugspauschale konnten Arbeitnehmer Ersatzansprüche nur geltend machen, wenn sie einen konkreten Schaden beziffern konnten, etwa Mahngebühren oder Kosten aus Rücklastschriften. Ohne konkreten Nachweis bestand praktisch keine Handhabe gegenüber dem Arbeitgeber.
Stand: Juli 2016
Müssen Einnahmen-Überschussrechner ein Kassenbuch führen?
Steuerpflichtige, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG per Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, sind grundsätzlich nicht verpflichtet, ein Kassenbuch zu führen. Dennoch müssen die Betriebseinnahmen jederzeit vollständig und richtig nachvollziehbar sein und vom Finanzamt überprüft werden können. In der Praxis empfiehlt sich daher eine geordnete Dokumentation der Bareinnahmen.
Stand: August 2013
Müssen Eltern Einspruch gegen ihren Einkommensteuerbescheid einlegen, um von einer möglichen Erstattung zu profitieren?
Nein, ein Einspruch ist nicht erforderlich. Die Einkommensteuerbescheide ergehen hinsichtlich der Kinderfreibeträge automatisch vorläufig nach § 165 Abgabenordnung. Sollte das Bundesverfassungsgericht zugunsten der Steuerzahler entscheiden, werden die betroffenen Bescheide von Amts wegen geändert.
Stand: Dezember 2016
Müssen Empfänger von EU-Mitteln weiterhin zinstragende Bankkonten führen?
Nein, ab 2013 entfällt die Pflicht, eigens zinstragende Bankkonten zu eröffnen. Erwirtschaftete Zinsen müssen nicht mehr in den EU-Haushalt zurückfließen und gelten auch nicht als Projekteinnahmen. Damit wurde eine langjährige Forderung insbesondere aus Forschung und NGO-Bereich umgesetzt.
Stand: November 2012
Müssen Erben den Urlaubsabgeltungsanspruch zuvor durch den Verstorbenen beantragt sehen?
Nein. Der EuGH hat ausdrücklich klargestellt, dass die finanzielle Abgeltung nicht davon abhängt, ob der verstorbene Arbeitnehmer zuvor einen entsprechenden Antrag auf Urlaub oder Abgeltung gestellt hat. Der Anspruch besteht unabhängig von einer Antragstellung.
Stand: Juli 2014
Müssen Kleinunternehmer ab 2025 E-Rechnungen ausstellen und empfangen können?
Kleinunternehmer sind von der Pflicht zur Ausstellung von E-Rechnungen befreit. Sie müssen jedoch in der Lage sein, E-Rechnungen zu empfangen. Zusätzlich wurde in § 34a UStDV eine vereinfachte Rechnungsregelung speziell für Kleinunternehmer eingeführt, die nicht mit den Kleinbetragsrechnungen zu verwechseln ist.
Stand: Dezember 2024